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Banken
15.3.2025
Wie refinanzieren sich Banken und warum?

Ohne Geld kann keine Bank arbeiten: es wird gebraucht für die Vergabe von Krediten, die Durchführung des Zahlungsverkehrs und so ziemlich jedes Geschäft, das Banken ihren Kunden anbieten. Dafür müssen Banken sich refinanzieren, also ihrerseits Geld beschaffen. Doch wie funktioniert die Refinanzierung und welche Quellen haben die Banken? Diesen Fragen geht dieser Artikel nach und stellt die wesentlichen Refinanzierungsquellen vor.

Aber bevor wir auf die einzelnen Refinanzierungsquellen eingehen,  klären wir zunächst, was der Unterschied zwischen Eigen- und Fremdkapital ist - dies ist eine wichtige Grundlage für das Folgende.

Für jeden Kredit, den eine Bank vergibt, benötigt sie Liquidität bzw. Kapital. Und Banken verfügen, wie auch jedes andere Unternehmen auch, grundsätzlich über zwei Arten von Kapital: Eigenkapital und Fremdkapital. Doch wie unterscheiden sie sich und was ist für die Refinanzierung relevant?

Eigenkapital

Hierbei handelt es sich um das Kapital der Eigentümer. Bei Aktiengesellschaften ist dies beispielsweise das von den Aktionären über Aktien zur Verfügung gestellte Geld. Eigenkapital partizipiert sowohl an den Gewinnen als auch an den Verlusten. Bis hin zu einem möglichen Totalverlust, wenn das Unternehmen bzw. die Bank insolvent werden sollte. Zudem haben Eigenkapitalgeber als Miteigentümer keinen Anspruch auf Rückzahlung ihrer Investition. Das Geld bleibt dauerhaft im Unternehmen investiert. Eigenkapitalgeber gehen somit ein hohes Risiko ein und erwarten daher auch eine hohe bzw. (im Vergleich zum Fremdkapital) höhere Verzinsung ihres investierten Kapitals.

Fremdkapital

Im Gegensatz dazu steht Fremdkapital der Bank nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung und hat üblicherweise eine feste Verzinsung, die die Bank bezahlen muss. Fremdkapitalgeber leihen der Bank also Geld und geben ihr somit einen Kredit. Zum Fremdkapital gehören Spareinlagen, Guthaben auf Giro- oder Tagesgeldkonten (dies alles sind Kundeneinlagen) ebenso wie die Refinanzierung über den Kapitalmarkt. Fremdkapital hat aufgrund des Kreditcharakters und da es im Normalfall (außerhalb der Insolvenz) nicht an Verlusten beteiligt ist, eine geringere Verzinsung als Eigenkapital.

Da Geld das Betriebsmittel von Banken ist, haben sie einen hohen Kapitalbedarf. Und den möchten sie möglichst günstig decken. Daher refinanzieren sie sich maßgeblich über Fremdkapital. Europäische Banken haben im Durchschnitt etwa einen Eigenkapitalanteil (näherungsweise gibt dies die "Leverage Ration" an) von etwa 6%. Die übrigen über 94% sind also Fremdkapital.

Wer mehr darüber lesen möchte, kann das hier.

Nachfolgend beleuchten wir nun die wichtigsten Fremdkapitalquellen der Banken.

Kundeneinlagen

Eine der zentralen Refinanzierungsquellen von Universal- bzw. Retailbanken (Retail bezeichnet das Privatkundengeschäft) sind die Kundeneinlagen. Banken erhalten hierbei Kapital in Form von Guthaben auf Giro und Tagesgeldkonten, Festgeldern (eine Geldanlage über einen festgelegten Zeitraum) oder Spareinlagen. Jede Privatperson mit Guthaben auf einem Bankkonto stellt der Bank somit (Fremd-)Kapital zur Verfügung, das diese zum Beispiel für die Kreditvergabe nutzt.  Kundeneinlagen sind neben den Guthaben von Privatkunden auch die Einlagen von Unternehmen.

Vor allem für Sparkassen und Volksbanken sind Kundeneinlagen die Hauptrefinanzierungsquelle. Sie haben den Vorteil, dass sie üblicherweise langfristig zur Verfügung stehen und in einem normalen Zinsniveau (also außerhalb eines Niedrig- oder Negativzinsumfelds) eine relativ zinsgünstige Refinanzierung darstellen. Im Gegenzug haben Banken die Herausforderung, dass Giro- und Tagesgeldkonten täglich verfügbar sind und Kunden theoretisch (und in sogenannten "Bankruns" auch praktisch) jederzeit ihr komplettes Guthaben abziehen können. Banken müssen also mit Annahmen darüber arbeiten, welcher Anteil der Einlagen ihnen langfristig zur Verfügung steht und welcher nicht. Zudem sind Kundeneinlagen oftmals unter den Banken auch hart umkämpft. Dies zeigt sich in den immer wieder beworbenen Zinsaktionen, wenn es auf Tagesgeldkonten besonders hohe Zinsen gibt. Zusammengefasst bilden Kundeneinlagen für viele Banken traditionell das Rückgrat ihrer Finanzierung. Sie stellen eine vergleichsweise kostengünstige und stabile Liquiditätsbasis dar.

Kapitalmarkt

Neben den Einlagen der Kunden spielt auch der Kapitalmarkt eine wesentliche Rolle in der Refinanzierung. Vor allem für Großbanken, Banken ohne nennenswerte Privatkundengeschäft und Spezialbanken, wie zum Beispiel Pfandbriefbanken. Im kurzfristigen Laufzeitbereich bis zu 12 Monaten können die Banken sich von anderen Banken oder teilweise auch großen Unternehmen Geld leihen. Dies ist der sogenannte "Geldmarkt".

Für längerfristige Refinanzierungen am Kapitalmarkt begeben Banken Anleihen (auch als Schuldverschreibungen bezeichnet, englisch Bonds). Diese kann man sich wie Kredite mit fester Laufzeit und Verzinsung vorstellen. Im Gegensatz zu Krediten haben Anleihen aber ein sehr großes Volumen haben von bis zu mehreren Milliarden Euro. Sie können an der Börse oder über Banken ge- oder verkauft werden, sind also handelbar. Um dies zu ermöglichen, werden Anleihen in kleinere Anteilsscheine von 1.000 EUR bis hin zu mehreren hunderttausend Euro aufgeteilt. So kann eine einzelne Anleihe, über die sich eine Bank zum Beispiel eine Milliarde Euro leiht, in 1 Million Anteile zu 1.000 EUR aufgeteilt werden. Theoretisch (praktisch passiert das aber nicht) könnten also eine Million Investoren und Anleger jeweils 1.000 Euro in die Anleihe investieren und der Bank somit in Summe 1 Milliarde Euro leihen. Diese Refinanzierungsquelle bietet den Vorteil, dass sie flexibel ist und hohe Volumen mit einer einzigen Transaktion aufgenommen werden können. Investoren bietet sie den Vorteil, dass sie Anleihen leicht wieder verkaufen können. Der Nachteil ist, dass die Konditionen auf dem Kapitalmarkt stark von der aktuellen Marktlage abhängig sind. Schwankungen und Unsicherheiten am Kapitalmarkt können zu höheren Zinskosten führen und  im Extremfall die Begebung (Emission) von Anleihen ganz unmöglich machen.

Zentralbanken

Die letzte Refinanzierungsquelle, die wir hier aber nur kurz anreißen wollen (denn das Thema ist auch einen eigenen Artikel wert), ist die Kreditaufnahme bei der Zentralbank (in Europa ist das die Europäische Zentralbank, kurz EZB). Diese stellt den Banken gegen die Bereitstellung von Sicherheiten (wie Kredite, die spezielle Anforderungen erfüllen, oder Anleihen) Kredite zur Verfügung. Die Laufzeiten sind im Normalfall kurzfristig, zwischen einem Tag und wenigen Monaten. Allerdings wurden mit der Null- und Negativzinspolitik sowie der Coronakrise auch längerfristige Kredite mit mehrjähriger Laufzeit (sogenannte LTRO, longer-term refinancing operations) mit für die Banken teils sehr attraktiven Konditionen angeboten. Von der generellen Zielsetzung her sind Zentralbankrefinanzierungen aber üblicherweise auf meist kurzfristige Liquiditätsbedarfe ausgelegt. Der Vorteil an dieser Refinanzierungsquelle ist, dass sie auch und insbesondere in Krisenzeiten zur Verfügung steht (man spricht vom "Lender of last resort"). Der Nachteil ist, dass sie außerhalb von Krisenzeiten und expansiver Geldpolitik (d.h. die Zentralbank möchte den Banken viel Liquidität zur Verfügung stellen) eine recht teure Refinanzierungsquelle darstellt.

Welche Bank refinanziert sich wie?

Banken haben also verschiedene Möglichkeiten, sich zu refinanzieren. Welche davon relevant ist, hängt stark vom Geschäftsmodell der Bank ab. Die nachfolgenden Grafiken zeigen, welchen Anteil die Refinanzerierungsquellen bei unterschiedliche Bankentypen haben. Wir unterteilen dabei in "retaillastige Refinanzierungen" (Geldaufnahmen bei Privatkunden und inländischen Unternehmen), die grün dargestellt sind, und "kapitalmarktlastige Refinanzierungen" (Zentralbankrefinanzierungen sind Teil der Position "Verbindlichkeiten Banken"), die grau dargestellt sind sowie Sonstige (dies sind vor allem Geldaufnahmen bei ausländischen Unternehmen):

Es zeigt sich deutlich, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehr abhängig von Retailfinanzierungen sind, während Großbanken einen Refinanzierungsmix haben und Landesbanken sowie Realkreditinstitute (diese finanzieren großvolumige Immobilientransaktionen von professionellen Investoren) sehr abhängig vom Kapitalmarkt sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Refinanzierung das Fundament des Bankgeschäfts bildet und zwingend notwendig ist, damit Banken ihr operatives Geschäft betreiben können. Den Banken stehen verschiedene Quellen zur Verfügung, die je nach Bankentyp und Geschäftsmodell unterschiedliche Bedeutung haben.

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