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Anleihen
11.7.2026
Was sind Green Bonds? Einfach erklärt!

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Wie refinanzieren sich Banken über Anleihen

Was sind Pfandbriefe?

Was sind Green Bonds?

Ein Green Bond ist zunächst einmal eine Anleihe, bei der sich eine Bank, ein Unternehmen oder ein Staat Geld am Kapitalmarkt leiht. Dies ist grundsätzlich vergleichbar mit der Aufnahme eines Kredits - nur, dass es nicht einen, sondern sehr viele Geldgeber gibt. Wer mehr zu Anleihen wissen möchte: Anleihen im Allgemeinen haben wir in diesem Artikel

Wie refinanzieren sich Banken über Anleihen

bereits ausführlich erklärt.

Der entscheidende Unterschied zwischen „gewöhnlichen“ Anleihen und Green Bonds ist die Mittelverwendung (das sogenannte Use of Proceeds). Bei einer herkömmlichen Anleihe kann der Emittent – das bezeichnet beispielsweise eine Bank oder ein Unternehmen, das sich das Geld leiht – das über die Anleihe geliehene Geld für die allgemeine Geschäftstätigkeit frei verwenden. Investoren erhalten dafür während der Laufzeit Zinsen und am Ende ihr Kapital zurück. Ein Mitspracherecht darüber oder einen Einfluss darauf, wie das Geld operativ genutzt wird, gibt es nicht.

Beim Green Bond hingegen verpflichtet sich der Emittent vertraglich dazu, die eingenommenen Mittel ausschließlich für vorher definierte und festgelegte Projekte oder Finanzierungen zu verwenden. Im Fall von Green Bonds sind dies beispielsweise Mittelverwendungen, die einen nachweislich positiven Umweltnutzen haben. Dies wird als „Ring-fencing“ bezeichnet: Das Kapital wird zweckgebunden in einen speziellen Topf gelenkt. Hierüber müssen die Emittenten Auskunft geben.

Zusammengefasst sind also die wesentlichen Unterschiede zur Standardanleihe:

Ein kurzer Marktüberblick: Welche Bedeutung haben Green Bonds?

Der Markt für nachhaltige Anleihen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, unterliegt jedoch Schwankungen und ist insbesondere durch politische Entwicklungen, wie in den USA, aktuell unter Druck geraten. Schauen wir uns dazu Zahlen an - aber Achtung, die Zahlen variieren je nach Quelle und Definition (Was genau zählt als „grün“?):

Unabhängig von Definition und Zahlenquelle hat der Markt hat nach einem Boom-Jahr 2024 eine Konsolidierung erlebt, bleibt aber ein wichtiger Baustein der Refinanzierung.

Welche Arten von Green Bonds gibt es?

Green Bonds unterscheiden sich rein rechtlich kaum von klassischen Anleihen. Wird der Emittent des Green Bonds zahlungsunfähig, hat ein Green Bond-Gläubiger keine anderen Rechte als alle anderen Gläubiger vergleichbarer gewöhnlicher Anleihen. Der maßgebliche Unterschied liegt in der nachzuweisenden Mittelverwendung.

Analog zu klassischen Anleihen gibt es auch bei Green Bonds zwei große Kategorien:

Green Covered Bonds

Hierbei handelt es sich um Anleihen, die neben der Rückzahlungsverpflichtung des Emittenten noch zusätzliche Sicherheiten bieten. In Deutschland kennt man dieses Produkt seit über 250 Jahren als Pfandbrief. Wer mehr über Pfandbriefe bzw. Covered Bonds wissen möchte, kann sich in diesem Artikel informieren:

Was sind Pfandbriefe?

Ein Green Covered Bond (in Deutschland meist ein „Grüner Pfandbrief“) bietet dem Investor also eine doppelte Sicherheit:

  1. Emittentenhaftung: Der Investor hat einen Anspruch gegen die Bank (wie bei jeder anderen Anleihe).
  2. Deckungsstock: Sollte die Bank in finanzielle Schwierigkeiten geraten, ist die Anleihe durch einen speziellen „Deckungsstock“ aus hochwertigen Vermögenswerten (z. B. Kredite für energieeffiziente Immobilien) besichert. Die Zahlungen aus diesen im Deckungsstock befindlichen Krediten ersetzen dann die Zahlungen der Bank. Im Fall von Green Covered Bonds sind das nur solche Kredite, die gemäß dem Green Bond Framework des Emittenten zugelassen sind.

Green Senior Bonds

Diese Anleihen sind nicht durch einen Deckungsstock besichert. Das Risiko des Investors hängt allein von der Bonität des emittierenden Unternehmens oder der Bank ab. Da diese Bonds nicht nur von Banken, sondern auch von Industrieunternehmen oder Energieversorgern emittiert werden, ist dies eine  Refinanzierungssäule für die Transformation der Realwirtschaft. Auch wenn es keinen Deckungsstock gibt, der die Zahlungen im Fall der Insolvenz des Emittenten bedienen kann, darf der Emittent den Erlös aus der Anleihe nur für festgelegte Finanzierungen und Projekte verwenden.

Ein kurzer Blick über den Tellerrand: Die „ESG-Familie“

Green Bonds sind nur ein Teil eines größeren Marktes. Neben Green Bonds gibt es noch eine Reihe weiterer Anleiheformate im Bereich der Nachhaltigkeit (ESG):

Der Rahmen: Frameworks und Second Party Opinion

Wie bereits erläutert, ist die Nutzung der Mittel das zentrale Element von Green Bonds. Deshalb kommt dem jeweiligen sogenannten Framework eine entscheidende Bedeutung zu: Der Emittent erstellt ein Dokument, das genau festlegt, welche Projekte als „grün“ eingestuft werden, wie die Mittel verwaltet werden und wie darüber berichtet wird. Dies ist das verbindliche Regelwerk für den Anleihe-Emmittenten. Dieses Framework unterliegt regelmäßigen Anpassungen.

Da Anleger sichergehen wollen, dass das Framework auch hält, was es verspricht, beauftragen Emittenten externe Experten (z. B. ISS ESG, Sustainalytics oder Moody’s), um das Framework zu bewerten. Diese „Second Party Opinion“ ist ein unabhängiges Gutachten, das bestätigt, dass das Framework tatsächlich mit den Standards (z. B. ICMA) vereinbar ist.

Um Green Bonds international vergleichbar zu machen, gibt es verschiedene Standards, auf denen die Frameworks basieren können. Die aus deutscher Sicht drei wichtigsten sind:

  1. ICMA Green Bond Principles (GBP): Dies ist der internationale Marktstandard. Er definiert vier Kernsäulen (Mittelverwendung, Projektbewertung, Management der Erlöse, Reporting), ist flexibel und weltweit am weitesten verbreitet.
  2. EUGBS (EU Green Bond Standard): Dies ist der regulatorische „Premium-Standard“ der EU und vergleichsweise neu. Er ist deutlich strenger, erfordert eine enge Ausrichtung an die EU-Taxonomie und verlangt hohe Transparenz. Emittenten müssen hierfür einen höheren administrativen Aufwand betreiben.
  3. vdp-Mindeststandards: Speziell für deutsche Grüne Pfandbriefe hat der Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) einen eigenen Standard entwickelt. Er macht Vorgaben dahingehend, dass Immobilienfinanzierungen in grünen Pfandbriefen klar definierte, hohe Energieeffizienz-Kriterien erfüllen finanzierten Gebäudemüssen einen Primärenergiebedarf aufweisen, der mindestens 10 % unter dem nationalen Standard für Niedrigstenergiegebäude liegt).

Was passiert mit den Mitteln (Use of Proceeds)?

Nachdem die grundsätzliche Funktionsweise und Bedeutung von Green Bonds klar geworden ist, wollen wir zur Abrundung noch einen Blick darauf werfen, was mit Erlösen aus Green Bond-Emissionen finanziert wird. Grundsätzlich dienen Green Bonds für die Finanzierung von Projekten, die einen Beitrag zur ökologischen Transformation leisten. Zu den gängigsten Projekten zählen:

Warum emittieren Banken eigentlich Green Bonds?

Vor dem Hintergrund der Einschränkung, die mit der Verwendung der Mittel verbunden ist sowie der umfangreichen Transparenzvorgaben, stellt sich die Frage, warum Emittenten überhaupt Green Bonds zur Refinanzierung nutzen. Hier sind vor allem folgende Aspekte zu sehen:

Welche Kritik gibt es?

Green Bonds haben aber auch kritische Beitöne. Ein häufiger Kritikpunkt ist die Additionality (Zusätzlichkeit): Finanziert der Green Bond ein neues grünes Projekt, das ohne diesen Bond nicht entstanden wäre? Oder finanziert die Bank ein Projekt, das sie ohnehin finanziert hätte, und klebt nun ein grünes Etikett darauf? Es gibt also die Möglichkeit, dass Portfolios „grün eingefärbt“ werden, ohne echten ökologischen Mehrwert, also ohne zusätzliche neue Finanzierungen.

Fazit

Green Bonds sind weit mehr als ein kurzfristiger Trend. Sie sind ein wichtiges Instrument der Transformation und Ausdruck eines größeren Fokus auf Nachhaltigkeit. Für Investoren bieten sie Transparenz, für Emittenten ein weiteres Instrument zur Refinanzierung. Auch wenn die Anforderungen durch Standards wie den EUGBS noch weiter steigen, ist der Markt den Kinderschuhen lange entwachsen und erwachsen geworden. Für den Finanzmarkt der Zukunft dürtfte an diesen Instrumenten kein Weg mehr vorbei führen – sie sind ein Bindeglied zwischen Kapitalmarkt und Klimaschutz.


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