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Wie refinanzieren sich Banken und warum? (die Passivseite der Bilanz)
Wie refinanzieren sich Banken über Anleihen?
Bei dem Wort „Bilanz“ denken viele sofort an trockene Zahlenfriedhöfe und komplexe Vorschriften. Dabei verbirgt sich dahinter ein erstaunlich logisches System – wir bringen Licht ins Dunkel und erklären, wie eine Bankbilanz wirklich tickt.
Fangen wir also an... Eine Bilanz kann man sich wie eine Waage mit zwei Schalen vorstellen: Sie zeigt auf der einen Seite, wo das Geld herkommt (Mittelherkunft), und auf der anderen Seite, wofür es verwendet wurde (Mittelverwendung). Beide Seiten müssen sich immer exakt gleich sein. Klingt erstmal komplex, lässt sich aber an einem einfachen Beispiel leicht nachvollziehen.
Starten wir mit dem Beispiel. Wir gucken uns einen Sachverhalt an: Eine Bank benötigt einen neuen Schreibtisch für ihre Büros. Der Schreibtisch kostet 1.000 EUR. Um die 1.000 EUR für den Schreibtisch bezahlen zu können, leiht die Bank sich Geld. Schauen wir uns nun an, wie diese einfache Geschäftsaktivität in der Bilanz abgebildet wird.
Schritt 1: Die Finanzierung
Um den Schreibtisch zu kaufen, nimmt die Bank also im ersten Schritt einen Kredit auf. Wie sieht das nun in der Bilanz aus?
Grundsätzlich ist die Bilanz so aufgebaut, dass auf der linken Seite die Aktivseite ist, auf der rechten Seite die Passivseite. Für unser Beispiel bedeutet dies:
Die Bank würde somit also für diesen Sachverhalt folgende BIlanz aufstellen:

Die Bilanz ist somit ausgeglichen: Den geliehenen 1.000 Euro stehen 1.000 Euro gegenüber, die auf einem Konto liegen.
Schritt 2: Der Kauf (Investition)
Die Bank kauft nun den Schreibtisch. Die Bank überweist die 1.000 Euro, die auf dem Konto liegen und der Schreibtisch damit gekauft. Für die Bilanz in unserem Beispiel bedeutet dies:
Die Bank würde somit also für diesen Sachverhalt folgende BIlanz aufstellen:

Dieses einfache Beispiel verdeutlicht das Bilanzgesetz: Alles, was an Geldherkunft auf der Passivseite vorhanden ist, muss als Geldverwendung auf der Aktivseite investiert sein. Die Bilanzsumme bleibt identisch.
Wenn wir das Prinzip verallgemeinern und schauen, was Bankbilanzen von Bilanzen von Nichtbanken unterscheidet, stellt man fest: Das Prinzip natürlich identisch, aber die Positionen und die vor allem die Struktur unterscheiden sich. Während bei einem klassischen Unternehmen Maschinen, Lagerbestände oder Fahrzeuge auf der Aktivseite (also: was macht das Unternehmen mit dem Geld?) stehen, handelt eine Bank fast ausschließlich mit Geld selbst. Wer eine Bankbilanz verstehen will, muss also wissen, wie und woher eine Bank ihr Geld einsammelt und wo sie es investiert. Genau das schauen wir uns jetzt Schritt an, indem wir uns die zusammengefasste Bilanz aller Banken in Deutschland per 31.12.2025 ansehen:

Die konsolidierte Bilanzsumme beträgt 10.998 Mrd. Euro, also 10,998 Billionen Euro. Gehen wir an dieser Bilanz einmal durch, welche eine Bankbilanz haben kann.
Die Passivseite: Woher kommt das Geld?
Zur Erinnerung, die Passivseite beantwortet Frage: "Woher hat die Bank ihr Kapital?". Hier wird in Fremd- und Eigenkapital unterschieden. Fremdkapital ist Geld, das sich die Bank geliehen hat und Eigenkapital ist das Geld der Eigentümer der Bank, zum Beispiel das der Aktionäre.
Wir sehen, dass die Banken mit 6% im Schnitt vergleichsweise wenig Eigenkapital haben und zu 94% Femdkapital in Form von geliehenem Geld. Einen ganzen Artikel zu diesem Thema haben wir hier veröffentlicht.
Wer eine kurze Zusammenfassung lesen möchte, kann das hier tun:
Die Aktivseite: Was macht die Bank mit dem Geld?
Zur Erinnerung, die Passivseite beantwortet Frage: "Wie verwendet die Bank das Kapital?". Einen ganzen Artikel zu diesem Thema haben wir hier veröffentlicht.
Eine wesentliche Aufgabe einer Bank ist die Transformation. Die Passivseite besteht oft aus kurzfristig verfügbaren Kundeneinlagen (der Kunde kann das Geld seines Girokontos jederzeit abziehen), die Aktivseite hingegen häufig aus langfristigen Krediten (ein Immobilienkredit kann eine Laufzeit von bis zu 20 Jahren haben).
Die Bank nimmt also oftmals kurzfristiges Kapital (Passiva) und wandelt es in langfristige Kredite um. Diese Fristentransformation ist die Kernleistung, birgt aber auch Risiken:
Daneben transformiert sie die Guthaben auf Tagesgeld- und Girokonten, die Privatkunden der Bank leihen, in risikobehaftete Kredite an Unternehmen, Privatkunden und Banken um.
Wer dies vertiefen möchte, findet hier weitere Artikel:
Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Banken
Was sind Marktpreisrisiken? (hier der Abschnitt zu Zinsänderungsrisiken)
Was sind Liquiditätsrisiken bei Banken?
Die Bankbilanz zeigt, wie Banken sich refinanzieren und wie sie das Geld investieren. Sie ist damit auch ein Spiegel des Geschäftsmodells - bei Privatkundenbanken (Sparkassen, Volksbanken) dominieren Kundeneinlagen auf der Passivseite, Großbanken haben hier einen großen Anteil an Kapitalmarktrefinanzierung.
Um die Bilanz einer Bank zu verstehen, ist aber der Blick auf Aktiv- und Passivseite wichtig:
Weitere Artikel aus der Bankenwissen-Reihe finden Sie unter diesem Link.
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